Visualization & HCI

Biography

Modellierung und Visualisierung sind Verfahren, ohne die die aktuelle industrielle Entwicklung und Produktion nicht denkbar ist. Hans Hagen, Professor für Informatik an der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK), hat auf diesem Gebiet in den letzten 30 Jahren Herausragendes geleistet. Dafür ist er jetzt mit der Mitgliedschaft in der Visualization Academy of Science des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) gewürdigt worden.

Seit 1988 hat Hagen den Lehrstuhl für Computer Graphics and Human Computer Interaction inne. Aber bereits länger forscht der 65-Jährige auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Visualisierung und geometrischen Modellierung. Die Verleihung der Mitgliedschaft der Akademie ist eine der hochrangigsten Ehrungen, die Forschern auf dem Gebiet der Visualisierung zuteilwerden kann. Am 22. Oktober hat Hagen die Auszeichnung im Rahmen der Konferenz für Informationsvisualisierung des IEEE im kanadischen Vancouver entgegengenommen. Das IEEE ist ein bedeutender Weltfachverband der Ingenieure.

Die Grafiken, die seine Arbeiten darstellen, fangen mit ihrer gestalterischen Eleganz und Farbigkeit sofort das Auge ein, auch das des Laien. In seinem Arbeitszimmer hängen zwei Grafiken an der Wand, die Veränderungen im Magnetfeld der Erde veranschaulichen. „Schönheit fängt das Auge“, weiß Hagen. Dabei ist es sein Ziel, große Datenmengen sichtbar zu machen, um sie einfacher interpretieren zu können. Mit Hagens Methoden ist es möglich, während des laufenden Prozesses von Planung und Produktion die Qualität zu kontrollieren. Viele seiner wissenschaftlichen Arbeiten der vergangenen 25 Jahre haben industrielle Standards festgelegt.

Darin geht es beispielsweise um Luftströmungen an Flugzeugtragflächen, um die Ausbreitung von Fahrgeräuschen des ICEs oder das Erkennen von Fehlern im Ablauf einer Kläranlage oder Müllverbrennungsanlage. „Lärm macht krank – das wissen wir“, sagt Hagen. Wenn beispielsweise in einer Werkhalle der Geräuschpegel für die Arbeiter zu hoch ist, kann man mit Hagens Modellierungen die Ausbreitung des Schalls untersuchen, die Maschinen entsprechend umbauen oder die Werkhalle verändern. Ärzte können für seltene Krankheiten, wie beispielsweise Herzfehler, durch Simulationsprogramme geschult werden. An ICE-Trassen wurden Sperrzonen für Rinder und Pferde eingerichtet, um sie vor Lärm zu schützen.

An allen Projekten, betont Hagen, sind seine Arbeitsgruppe und seine Kooperationspartnern beteiligt. „Wir arbeiten immer interdisziplinär.“ Ingenieure, Geowissenschaftler, Biologen und Mediziner zählen zu seinen Partnern, nicht nur aus Deutschland, sondern unter anderem aus Frankreich, Schweden oder Nordamerika. Weltweit sind aus seiner Forschung insgesamt 27 Professuren hervorgegangen.

Der gebürtige Freiburger studierte in seiner Heimatstadt Mathematik, Physik und Informatik und seinen Doktortitel in Dortmund erworben. Als Assistenzprofessor war er danach drei Jahre an der Arizona State University, um dann eine Professur in Braunschweig anzunehmen, bevor er nach Kaiserslautern ging.

Die Aufnahme in die Akademie reiht sich ein in zahlreiche Auszeichnungen für Hagen. 2002 erhielt der Informatikprofessor den John Gregory Memorial Award, eine der hochrangigsten Auszeichnungen für Geometrisches Design. 2009 war Hagen der erste Europäer, der mit dem IEEE Career Award in der Kategorie Visualisierung ausgezeichnet wurde. 2016 erhielt er den Solid Modelling Pioneer Award der Association for Computing Machinery (ACM). Seit 2009 ist er Adjunct Professor an der University of California.

Einen Katalog, um die Ästhetik der Grafiken zu bewundern, wird es nicht geben. „Die Ergebnisse gehören der Universität und den Förderern“, so Hagen. „Von Software-Patenten habe ich immer die Finger gelassen.“ Bis 2023 wird Hagen eine Seniorforschungsprofessur im Internationalen Graduiertenkolleg innehaben. Und was macht der Informatiker privat? „Ich bin sehr gerne Papa und Opa“, freut sich Hagen, dessen Ehefrau Lehrerin ist. Nie habe es ihn gereizt, in die Industrie zu gehen, auch wenn oft ein attraktives Gehalt lockte. „Die Freiheit ist die Sache wert“, beurteilt Hagen das Leben als Wissenschaftler. „Ich kann meinen Interessen nachgehen, kann meine Themen selbst wählen.“

Awards
  • 2019 IEEE Visualization Academy of Science Member
  • 2016 Solid Modelling Pioneer Award
  • 2009 IEEE Visualization Career Awared
  • 2003 IEEE Golden Core Member
  • 2002 IEEE Meritorious Service Awared
  • 2002 John Gregory Memorial Award
Laudtiones
Festrede anlässlich des 60. Geburtstags - Susanne Göbel - 20.12.2014

Liebe Festgesellschaft, lieber Hans,

nun bın ich es, die für dich spricht: Eine Neue, gerade erst in der AG angekommen, ursprünglich keine Computergrafikerin und nicht mehr bei dir, sondern schon bei Christoph angestellt. Ich bin ziemlich genau so alt, wie Du Professor in Kaiserslautern, und kann so zwar wenig über deinen Weg sagen, aber dafür umso mehr über das, was du letztendlich geschafft und geschaffen hast.

Wie wirkt diese AG zunächst auf Studierende? Nun, für manche ist sie ein Sehnsuchtsort durch das Image der Computerspiele, für manche - so auch mich, mag sie zunähst befremdlich wirken. So groß, so voll mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern. Bestimmt gibt es hier besonders steife Strukturen, damit der Laden läuft. Dann sieht man Madys Büro und ahnt: so ist es wohl nicht!

Wenn die Sekretärin Ihre Individualität so ausleben kann, wenn dort nicht bloß gerahmte Auszeichnungen von Hans, sondern Bandplakate von SaMo hängen, dann kann es mit der Steifigkeit und Strenge dort nicht so weit her sein.

Je mehr man von dieser Gruppe sieht, desto mehr will'man bleiben. Viele deiner eigenen Hiwis, aber auch viele von außerhalb, aus anderen Informatikrichtungen und Fächern kommen bewusst zu dir. Was ist diese AG und worin liegt ihr Zauber? Sie bietet Spitzenforschung, ist aber dabei kein kühles Wissenschaftsunternehmen, in dem einer den anderen zu übertreffen versucht, sondern eine lebendige, internationale Gruppe Gleichgesinnter, die gemeinsam wachsen.

Du förderst und forderst deine Leute, aber nicht alle auf die gleiche Art oder mit dem gleichen Ziel, sondern du hilfst uns, unsere Träume zu leben. Dabei muss man nicht immer funktionieren: viele von uns haben Krisen erlebt, sind in Nöte geraten und kamen mit ihrer Arbeit nicht voran. Da wird nicht erst geurteilt, auf Arbeitszeitregelungen oder Verträgen gepocht, sondern du fragst nach - z. T. direkt, meist aber bei Freunden-, verstehst und gibst wo nötig Geld und Rat, vor allem aber Zeit, um selbst auf die Beine zu kommen.

Du lebst vor, wie man erfolgreich und trotzdem menschlich sein kann. Und erfolgreich warst Du mit deiner Gruppe in der Tat: 28 Professuren sind aus ihr besetzt worden, davon 6 durch Frauen. Nimmt man den durchschnittlichen Jahrgang, so sind das mehr Damen als Überhaupt ein Informatikstudium beginnen.

AL viele deiner Kollegen in Frauen noch jene fernen Wesen sahen, die Kinder erzogen und Kaffee kochten, sonst aber keinerlei Befugnisse hatten, hast du längst die Herzen der Ministeriumsmitarbeiterinnen erobert. - Nicht mit Komplimenten und Rosen, sondern dadurch, dass du sie tatsächlich und ehrlich ernst genommen hast.

Respekt für alle Menschen, Anerkennung ihrer Leistungen, das ist vielleicht dein größtes Vermächtnis.

Du stehst loyal vor deinen Leuten, du kämpfst wie ein Löwe für deine Überzeugung und hast politisch mehr bewegt als viele, die beruflich Politik betreiben. Wer im Ministerium kennt nicht Hans Hagen mit seinem IRTG, wer zittert nicht zumindest etwas, wenn du in einer Sitzung kopfschüttelnd das Wort ergreifst. Sie können sich deinen Appellen kaum verschließen, nicht nur, weil du überzeugen kannst, sondern weil du deine Überzeugung auch von jeher vorgelebt hast.

Auch als Familienpolitik noch nicht in aller Munde war, hast du Alleinerziehende und Paare darin unterstützt, sowohl ihr Elternsein, als auch ihren Beruf zu leben. Ich fühle mich heute mitsamt meiner kleinen Familie bei dir und Christoph angenommen und verstanden. Mit deiner eigenen Frau hast du eine Ehe geführt, wie man sie jedem nur wünschen kann. Du hast einmal gesagt: Hinter jedem starken Mann steht eine wenigstens ebenso starke Frau und ihr beiden habt euch in der Tat gegenseitig stark gemacht. So ist das heute denn auch mit dein Feiertag, Brigitte, denn was er erreicht hat, hat er mit durch dich erreicht.

Auf euch und auf uns alle - dass wir dein Erbe eines Tages würdig verwalten werden und für die selben Ideale einstehen. Auf dich, einen Professor, der den Titel Doktorvater wirklich verdient hat.



Dankesrede nach Promotionskolloquium - Markus Kronenberger - 12.07.2022

Die Zeit in der Arbeitsgruppe »Computergrafik« von Hans Hagen war für mich sowohl fachlich als auch persönlich sehr prägend.

Er ist eine äußerst inspirierende Persönlichkeit, die sich von niemandem etwas gefallen lässt und konsequent ihren eigenen Weg verfolgt – stets mit dem Anspruch, das Beste für seine Leute herauszuholen.

Sein Führungsstil war von großer Freiheit und einem ausgeprägten Vertrauen in die individuellen Fähigkeiten geprägt. „Go for it“ war dabei nicht nur ein Leitspruch, sondern gelebter Alltag: Man konnte eigene Ideen frei verfolgen und wusste zugleich, dass er bei Bedarf jederzeit unterstützend zur Seite stand. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir auch sein ganz eigener Vorlesungsstil, der Studierende aktiv einbezog und Diskussionen auf Augenhöhe förderte. Im Mittelpunkt stand dabei immer das wirkliche Verständnis des Gelernten.

In seinen Vorlesungen erzählte er regelmäßig über persönliche berufliche Erfahrungen oder von beeindruckenden Persönlichkeiten, denen er begegnet ist. Durch diese Kontakte hat er zudem viele Türen geöffnet und mir früh die Möglichkeit gegeben, wertvolle internationale Erfahrungen zu sammeln.

Rückblickend war Hans Hagen für mich ein außergewöhnlicher Mentor, der mich nachhaltig geprägt und motiviert hat.



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